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Aktuelles und Termine für Lehrkräfte

Forscher fordern neues Verständnis von Lernen - jenseits von Abschlüssen

Schnell zurück zum Normalbetrieb in Schulen und Hochschulen? Auf gar keinen Fall, warnen 40 Bildungsforscher in einem Manifest: Sie fordern ein "New Learning" - und erklären, was sie darunter verstehen.

Von Armin Himmelrath
Spiegel Panorama
01.10.2020, 13.15 Uhr

Mehr Individualität, weniger starre Lernwege: Führende Bildungsforschern in Deutschland plädieren nachdrücklich dafür, die Coronakrise für einen Umbau des Bildungssystems zu nutzen. Eine Rückkehr an Schulen und Hochschulen zu einer Lernkultur, wie sie vor der Krise bestand, käme einer "Kapitulation" vor den aktuellen Herausforderungen gleich, schreiben die Fachleute im "Hagener Manifest", das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Stattdessen plädieren sie für eine umfassende Idee von "New Learning".

Zu den 40 Erstunterzeichnern gehören unter anderem das gesamte Rektorat der Fernuniversität Hagen, Josef Schrader, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, die Publizistin Miriam Meckel und der Rechtswissenschaftler Urs Gasser von der Harvard University. Mit dabei sind außerdem Lehrkräfte, die sich für stärker digital gestützte Lernprozesse einsetzen, sowie Vertreter von Denkfabriken wie Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung.

Es sei "überfällig, ein grundlegend neues Verständnis vom Lernen zu entwickeln", schreiben die Autorinnen und Autoren. Sie fordern, dass Jugendliche und Studierende stärker individuelle Lernwege jenseits der bisherigen formalen Vorgaben einschlagen können. "Lernerfolge lassen sich nicht nur an Abschlüssen festmachen", heißt es. Dazu sei es notwendig, allen Lernenden einen Zugang zu digitalen Geräten und zum Internet zu ermöglichen, um so Chancengerechtigkeit sicherzustellen.

Digitales und lebenslanges Lernen

Zur Umsetzung von "New Learning" empfehlen die Bildungsfachleute unter anderem:

  • die offensive Hinwendung zu einer aktuellen digitalen Ausstattung von Schulen und Hochschulen: "Laptops und Smartphones, Videoanwendungen, Tools für kollaboratives Arbeiten, Lern-Apps - aus einem scheinbaren 'Nice-to-have' wurde plötzlich ein reales 'Must-have'".
  • eine deutlich verbesserte berufsbegleitende Weiterbildung für Lehrende: "Wir müssen uns mit neuen Formen des Lernens vertraut machen." Lehrkräfte bräuchten "die Möglichkeit und Bereitschaft", lebenslang zu lernen.
  • den radikalen Perspektivwechsel weg vom Lehrenden hin zum Lernenden: "New Learning" brauche "persönliche Lernbegleitung und adaptive Lernumgebungen, die sich der Individualität und Diversität der Lernenden anpassen".

Auch wenn größere Anteile des Unterrichts in Zukunft digital stattfänden, bedeute dies jedoch nicht, "dass wir uns vom persönlichen Miteinander und von bewährten Präsenzformaten verabschieden". Die Autoren appellieren an die Politik: "Bund,  Länder und Kommunen müssen visionär und kollaborativ zusammenarbeiten."

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